interview

studio bumbuli stellt nachhaltige und fair produzierten Kindermode in Berlin her.

Interview mit studio bumbuli

Juni, 2020

studio bumbuli ist eine kleine Hommage an die besonderen Momente im Leben, die wie ein Geschenk sind und Gefühle wie Glück, Zufriedenheit und Freude auslösen, in denen wir einfach das pure Leben in uns spüren.
In Erinnerung an ihre ersten Lebensjahre in einem Ort namens Bumbuli, hat die Gründerin Marion Wenzel Ende 2019 in Berlin ein Label ins Leben gerufen, bei dem sich alles um das Thema Wohlfühlen dreht. Weiche Pyjamas und Nachthemden aus Frottee laden nicht nur zum Schlafen gehen ein, sondern sind auch für die Zeiten davor und danach beste Begleiter und tragen zum allgemeinen Gefühl von Entspannung und Ruhe bei. Ihre Bademäntel sind sicher die bequemsten, die es für Kinder gibt! Mit den Produkten von studio bumbuli soll sich jeder wohlfühlen, das bezieht sich auch auf die Herkunft der Materialien und die Herstellung der Produkte und Zutaten. Als Schneiderin und Bekleidungstechnikerin hat Marion in ihrem bisherigen Berufsleben einige Erfahrungen in der Bekleidungsindustrie machen können, die ihr u.a. deutlich gemacht haben, auf was sie - als Teil dieser Industrie - und auch als Mutter in Zukunft Wert legen möchte. Aber lest am besten selbst!

Foto: juliliPHOTOGRAPHY

Was war der Startschuss für studio bumbuli und wie begann die Reise, diese Marke zu gründen?

Die Idee zu bumbuli begleitet mich ehrlich gesagt schon sehr lange. Ich habe früh Kinder bekommen, schon mit 24, war gelernte Schneiderin und habe viele Kleidungsstücke für meine Tochter und meinen Sohn selbst entworfen und genäht, dann für die Kinder von Freunden und Bekannten. Als meine beiden Kinder in die Kita gingen, begann ich an der UDK Berlin Modedesign zu studieren. Das war eine sehr anstrengende und fordernde Zeit, da ich tagsüber in der Uni war, nachmittags mit meinen Kindern zusammen und an zwei Tagen in einem Laden gejobbt habe. Dort konnte ich auch meine erste eigene Kinderkleidung verkaufen und erste Erfahrungen auf diesem Gebiet sammeln. Das war die Zeit der Nähmaschinen-Nachtschichten, damit ich für Uni und Verkauf alles fertigstellen konnte. Es gab viel Unterstützung von Familie und Freunden und obwohl immer viel zu tun war, war es doch auch eine gute Zeit, weil ich damals für mich festgestellt habe, wie gut es sich anfühlt, wenn Anderen meine selbst entworfene Kleidung Freude macht. Das war eine sehr wertvolle Erfahrung, die mich seitdem begleitet. Dann kam jedoch sozusagen das Leben dazwischen. Ich trennte mich vom Vater meiner Kinder und musste eine zeitlang allein für uns drei da sein, gab Studium und Selbständigkeit auf, um genug Zeit, Ruhe und auch Geld übrig zu haben.

Foto: juliliPHOTOGRAPHY

Wie kam es, dass Du Dich überhaupt dazu entschieden hast, Kinderkleidung zu entwerfen?

Das hing damals mit meinen Kindern zusammen. Ich hatte nicht unbedingt den Anspruch etwas „besser oder unbedingt anders“ zu machen als andere. In erster Linie machte es mir einfach großen Spaß für meine Kinder zu entwerfen und Kleidung herzustellen, in denen sie sich wohlfühlen und die Materialien und Farben dementsprechend auszusuchen.

Den Bademantel gab es so ähnlich schon damals und der wurde – auch schon damals - von allen sehr geliebt. Ausgehend von diesem Produkt habe ich mit studio bumbuli im letzten Jahr die ersten Schritte unternommen, ein dazu passendes Sortiment im First-Layer-Bereich aufzubauen. Dieser Bereich der Kinderkleidung wird in meinen Augen häufig vernachlässigt, dabei ist er ein wichtiger Bestandteil ihrer täglichen Garderobe – auch wenn sie für das Auge nicht in dem Maße sichtbar ist. Da sich unsere Kinder aber fast die Hälfte des Tages im Bett oder zu Hause befinden, sollte die Kleidung hier auch mit Sorgfalt ausgewählt werden.

Foto: juliliPHOTOGRAPHY

Welche Idee und Philosophie stecken hinter der Gründung Deines Labels?

Ich bin in Tansania geboren, in einem Ort namens Bumbuli. Dieser wurde für mich zum Inbegriff von Geborgenheit, Wärme und Unbeschwertheit, als ich mit drei Jahren den Berliner Winter kennenlernen musste, da wir nach Deutschland zurückkehrten: Wollstrumpfhosen und Wollmützen, Schneeanzug und gefütterte Stiefel, dazu grauer Himmel, niedrige Temperaturen und Heizungsluft. Furchtbar, wenn man ganzjährigen, tropischen Sommer gewohnt ist, und nicht versteht, weshalb nun alles anders ist. Noch heute geht mir das Herz auf, wenn ich afrikanischen Boden betrete (was natürlich nicht so oft vorkommt…), und auch wenn ich mich leider nicht aktiv an meine ersten Jahre dort erinnere, haben meine Eltern durch Erzählungen und Fotos einiges konservieren können. Da mein Vater weiterhin beruflich viel in Afrika zu tun hatte, begleitete mich das durch meine Kindheit und Jugend. Dies ist einer der Gründe, weshalb der Name Bumbuli für die Namensgebung meines Labels prädestiniert war.

Ich versuche mit meinem Label bumbuli besondere Momente zum Leben zu erwecken. Ein Moment, an den man sich noch Jahre später gerne zurückerinnert, hat etwas Wertvolles – wir können uns in unserer Erinnerung auf den Weg dorthin zurück machen und dieses besondere Gefühl wieder zum Leben erwecken. Für mich ist bumbuli wie eine Erinnerung an einen Moment, ein Gefühl für etwas sehr Schönes, was sich in der Vergangenheit zugetragen hat, und was in der eigenen Erinnerung noch stark spürbar ist. Jeder von uns kennt die Erinnerung an besondere Erlebnisse, wie der eine Sommerurlaub in den Dünen, wie es war dem Großvater beim Schnitzen zuzusehen, das nächtliche Flüstern unter der Bettdecke mit der besten Freundin oder auch nur sich an den besonderen Geruch zu erinnern, der nach einem Sommergewitter zum Fenster hereinweht. Um solche Momente geht es mir. Meine Produkte machen durch Bequemlichkeit, Wohlgefühl und Geborgenheit Platz für diese Momente. Mit diesem Hintergrund war klar, dass bumbuli für First-Layer-Produkte, also Produkte, die direkt auf der Haut getragen werden, steht. Kleidung zum Wohlfühlen, in der man es sich gemütlich macht, zur Ruhe kommt, die weich und anschmiegsam ist – die sich wie nach „zu Hause sein“ anfühlt. Egal, wo man sich gerade befindet.

Foto: juliliPHOTOGRAPHY

Was waren Deine Impulse langlebige und fair produzierte Kleidung herzustellen?

Im April 2013 studierte ich gerade im zweiten Semester Bekleidungstechnik/Konfektion. Die Nachricht über den Einsturz der Fabrik Rana Plaza in Bangladesch hat unser gesamtes Semester erschüttert, der Blick auf die Industrie, von der wir einmal leben wollten, wurde davon nachhaltig geprägt. Die Namen der dort produzierenden Marken waren durchaus potentielle, spätere Arbeitgeber, für die zu arbeiten nun schwer vorstellbar wurde. Themen wie Verantwortung und Transparenz innerhalb der bekleidungstechnischen Lieferketten waren keine Nebenbegriffe mehr, sie wurden zu zentralen Bereichen, die es galt in den Griff zu bekommen, damit dieser Beruf sinnstiftend werden kann. Für mich zumindest.

Durch meinen Beruf habe ich einiges mitbekommen und jedes weitere Jahr führte schließlich zu meinem Entschluss, kein Teil der herkömmlichen Bekleidungsindustrie mehr sein zu wollen. Weil es auch anders geht: zu fairen Löhnen, mit gerechten sozialen Standards und auf Augenhöhe mit allen Menschen, denen wir begegnen.

Foto: juliliPHOTOGRAPHY

Was macht studio bumbuli so einzigartig und was möchtest Du mit Deinem Label verändern?

Ich möchte dazu beitragen, dass Kleidung wieder einen Wert erlangen kann. Ich bin davon überzeugt, dass dies gelingt, wenn wir uns mit der Entstehungsgeschichte eines Produktes beschäftigen: Transparenz in den Lieferketten bzw. die Rückverfolgbarkeit der Einzelteile, aus denen sich ein Kleidungsstück zusammensetzt, sind für mich zentrale Punkte, die die Wertigkeit eines Produktes ausmachen. In dem Moment, in dem wir davon erzählen können, hauchen wir den Produkten ein Leben ein, sie bekommen eine Geschichte, die sie besonders, vielleicht sogar einzigartig für uns macht. Wir erinnern uns daran, wenn wir diese Produkte nutzen und ich bin überzeugt davon, dass wir uns um diese Produkte auch anders kümmern, sie anders pflegen. Es ist kein Wegwerfprodukt mehr, welches austauschbar oder leicht zu ersetzen ist.

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Wie entsteht die Entwicklung neuer Artikel?

Ich folge dabei zum einen meiner eigenen kleinen Roadmap an Produkten, die ich mir für bumbuli vorstelle und plane. Zum anderen reagiere ich natürlich auch auf das Feedback meiner Kunden, welches in die Neuentwicklung/Verbesserung der Produkte einfließt. Neue Artikel entstehen in meinem Studio – Idee, Schnitt und die ersten Prototypen werden hier realisiert. Einige Freunde von uns haben in den letzten Jahren Kinder bekommen und sind damit meine besten „Testpersonen“ für diese Modelle. Die Prototypen bilden dann die Grundlage für die Produktion.

Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?  

Generell mag ich einfache, schöne Dinge mit klaren Formen und Linien, die Struktur geben, aber nicht aufdringlich sind. Besondere Farbkontraste sind wundervoll, regen die Phantasie an oder ergeben ein harmonisches, vollkommenes Bild mit dem gewissen Extra. Vieles davon findet sich in den bumbuli-Produkten wieder.

Foto: juliliPHOTOGRAPHY

Welche Materialien verwendest Du? #whatsinmyclothes

Ich achte besonders auf die Inhaltsstoffe und deren Herkunft. Für mich steht die nachhaltige Herstellung und Verarbeitung von Bio-Baumwolle an erster Stelle. Der kontrolliert biologische Anbau (kbA) ist zertifiziert und schließt gentechnisch verändertes Saatgut generell aus. Die Vorteile für den Konsumenten liegen vor allem im Einsatz von natürlichen Düngern. Bei der Herstellung von Bio-Baumwolle wird streng darauf geachtet, dass keinerlei toxische oder biologisch nicht abbaubare Pestizide und Düngemittel verwendet werden. Die Textilien sind dadurch komplett schadstofffrei, wodurch Hautirritationen durch Allergien oder Überreaktionen vermieden werden können. KbA-Baumwolle ist wesentlich weicher und atmungsaktiver als konventionelle Baumwolle. Zudem ist Kleidung aus Bio-Baumwolle qualitativ hochwertiger und langlebiger. Der Bademantel wie auch das Badetuch und die Waschmaus sind aus einem dicht gewebten Webfrottee, der aus 100% Biobaumwolle hergestellt wird. Die Pyjamas und Nachthemden sind aus einem weichen Strickfrottee gearbeitet, der ebenfalls aus 100 % Biobaumwolle besteht.

Foto: juliliPHOTOGRAPHY

Welche Menschen arbeiten jeden Tag mit viel Leidenschaft an Deiner Vision und wer stellt die Kleidung her? #whomademyclothes

Ich mache seit der Gründung bis auf die Produktion der Bekleidungsprodukte eigentlich alles selbst: vom Design, über den Erstschnitt, das Erstellen von Prototypen, den Einkauf, das Marketing, Verkauf und Versand, die Buchführung… Für die Gradierung der Schnitte (damit ist das professionelle Vergrößern / Verkleinern der Schnitte gemeint) habe ich mir Unterstützung durch Good Garment Collective aus Berlin geholt. Das ist eine nette Produktions-Agentur, die mir auch den Kontakt zum Produzenten in Polen vermittelt hat, wo ich meine erste Kollektion habe fertigen lassen. Seit kurzer Zeit habe ich mir professionelle Unterstützung im Bereich Social Media gesucht, was mir unglaublich viel Zeit spart und eine wertvolle Unterstützung ist!

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Was ist Dir wichtig bei der Herstellung und nutzt Du lokale oder regionale Ressourcen? 

Durch meine berufliche Erfahrung in der Produktentwicklung für Bekleidung, habe ich erlebt, welche Strecken die einzelnen Komponenten eines Kleidungsstückes zurücklegen können, bevor sie zu einem Style verarbeitet werden, der wiederum nach einer weiteren langen Wegstrecke z.B. im Laden um die Ecke zum Kauf angeboten wird. Das wollte ich für bumbuli nicht. Für mich war klar, dass es in Europa viele fähige Menschen gibt, die in der Bekleidungsindustrie wunderbare Arbeit leisten, wo es leichter ist Besuche zu organisieren und den logistischen Aufwand so gering wie möglich zu halten.

Wie sieht bei Dir Logistik, Versand & Vertrieb aus?

Auch das mache ich fast alles selber. Für die Produktion habe ich alle Stoffe und Zutaten mit dem Auto nach Polen gefahren – die Schneiderei ist nur etwa 2 Stunden von meinem Studio in Berlin entfernt. Mein Lager befindet sich aktuell ebenfalls in meinem Studio. Von dort versende ich die Ware mit DHL go green an meine Kunden. Natürlich versuche ich die Verpackungsmaterialien so gering wie möglich zu halten und verwende neben recycelten Materialien z.B. Graskartons als Versandkartons.

Foto: juliliPHOTOGRAPHY

Mit welchen Hindernissen hast Du als Startup zu kämpfen?

Es ist auf jeden Fall eine Herausforderung auf dem Bekleidungsmarkt Sichtbarkeit zu erlangen. Das ist ein Prozess, bei dem man ständig am Ball bleiben muss, und der manchmal frustrierend sein kann, wenn es nicht so klappt, wie man sich das vorstellt. Finanzielle Mittel sind gerade in der Bekleidungsherstellung ein wichtiger Faktor. Entwicklung und Produktion müssen jedes Mal vorfinanziert werden, bevor man eine wirkliche Ahnung davon hat, ob überhaupt, oder wie viele Teile man von einem Modell verkaufen wird. Naja – und genügend Zeit: die gibt es eigentlich nie genug!

Foto: juliliPHOTOGRAPHY

Wo soll die Reise mit studio bumbuli hingehen?

Im Moment bin ich gerade dabei viel zu verändern und anzupassen. Ich habe bisher Stoffe, die nach dem GOTS-Standard hergestellt wurden, verarbeitet – die Endprodukte sind ohne Zertifikat und dürfen auch „nur“ als Produkte aus Biobaumwolle betitelt werden. Für die Zukunft möchte ich nicht nur, dass meine Produkte nach dem GOTS Standard zertifiziert sind, ich plane auch mein Label in Berlin nach diesem Standard zertifizieren zu lassen. Letzteres ist ein längerer Prozess, mir aber wichtig, um einen nachweislich über alle Fertigungsstufen durchgängigen Standard für biologisch und sozial gerecht hergestellte Kinderkleidung zu erreichen.

Aufgrund der geforderten Durchgängigkeit der GOTS-Zertifizierung steht für mich auch ein Wechsel des Produktionsstandortes bevor. Dass ich dadurch die nahegelegene polnische Produktionsstätte als Produktionspartner wieder verlassen muss, tut natürlich ein bisschen weh. Der Austausch mit ihnen zum einen und die kurzen Wege zum anderen waren sehr viel Wert und ich war sehr zufrieden damit. Ich habe in Portugal schließlich einen GOTS-zertifizierten Produzenten in der Nähe von Porto gefunden, der mich überzeugt hat und mit dem ich die nächste Generation Bademäntel, Pyjamas und Nachthemden plane. Es wird auch Mützen und einen Onepiece-Pyjama für Babys geben.

Das Thema Transparenz innerhalb der Lieferketten soll ebenfalls ausgebaut werden – ich bin selber sehr daran interessiert zu wissen, wo die Materialien und Zutaten für die Produkte herkommen und wer an ihrer Entstehung beteiligt war. Das soll auch für meine Kunden noch nachvollziehbarer gestaltet werden.

Ein weiteres Ziel ist es, der Gesellschaft etwas zurückzugeben – dazu kann ich im Moment noch nichts Konkretes sagen, außer dass es mit Kindern in Tansania zu tun hat.

Foto: juliliPHOTOGRAPHY

Vielen lieben Dank für das sehr aufschlussreiche und super interessante Interview. Wer jetzt neugierig geworden ist und die kuschelweichen Pyjamas und Bademäntel näher kennenlernen mag, dem lege ich den Online-Shop von studio bumbuli wärmstens ans Herz!